Ehe für alle – ein offenes Wort

Erschienen im Rahmen einer Kolumne in den GELNHÄUSER NACHRICHTEN am 08.07.2017

Landtagsabgeordneter Heiko Kasseckert
Landtagsabgeordneter Heiko Kasseckert

Der Bundestag hat die Ehe für alle beschlossen. Während die einen jubeln, sehen die anderen darin einen Verstoß gegen die vom Grundgesetz zu Recht geschützte Ehe. Auch ich habe in einer Abstimmung des Landtages zum gleichen Thema mit „Nein“ gestimmt. Nicht, weil ich gleichgeschlechtliche Paare diskriminiere. Sondern weil ich einen Unterschied zwischen einer Ehe von Mann und Frau zu einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft sehe. Das Bundesverfassungsgericht hat erst 2012 entschieden, dass unter Ehe im Sinne des Grundgesetzes die Vereinigung eines Mannes mit einer Frau zu verstehen ist. Nur die Verbindung von Mann und Frau bringt Kinder hervor. Jedes Kind hat einen Vater und eine Mutter. Und genau das wollten die Väter des Grundgesetzes unter Schutz stellen. Daran ändern weder technischer Fortschritt noch politische Mehrheiten etwas.

Ich respektiere die Entscheidung und persönliche Lebensform eines jeden Einzelnen. Es geht aber längst nicht mehr um die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften mit der Ehe. Denn die ist so gut wie vollzogen. In allen juristischen Belangen - mit Ausnahme des Adoptionsrechtes - besteht schon heute die Gleichstellung. Es geht also vielmehr um eine gesellschaftliche Diskussion, alles gleich zu machen, auch wenn es ungleich ist.

Die Frage der „Ehe für alle“ berührt das Grundgesetz. Diese Entscheidung innerhalb von fünf Tagen im höchsten Parlament der Republik einfach als Änderung des BGB zu entscheiden, ist nicht angemessen. Wenn man meint, dass sich die Gesellschaft dahin weiterentwickelt hat, muss man den Mut haben, das Grundgesetz zu ändern. Bisher haben wir aber sehr gut daran getan, das Grundgesetz als grundsätzlich und nicht dem Zeitgeist angepasst zu betrachten So sollte es aus meiner Sicht auch bleiben.

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